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Protestformation in Echtzeit: Von Flash Mobs und Moblogs
Das Aufkommen der digitalen Medien hat die Protestkultur weltweit verändert. Nicht nur Form und Stil sondern auch Inhalte, Ziele und Teilnehmerstrukturen sind Gegenstand dieses Transformationsprozesses, der seit dem Aufkommen des Internet Mitte der 90er Jahre immer weitere Kreise zieht.
Zu unterscheiden ist bei der Betrachtung digital geprägter Protestformen, dass sich zum einen traditionelle Akteure beispielsweise aus dem Umweltbereich der neuen Kommunikationsmittel bedienen, um ihre Ziele effizienter zu verfolgen, zum anderen aber gänzlich neue Millieus unter dem Einfluss der neuen Medien entstanden sind.
Im Zentrum der Entwicklung steht formal, zum Teil aber auch inhaltlich, die Umwälzung der Kommunikationsstrukturen, die durch die zunehmende Mobilität der Kommunikatoren und Kommunikationsmittel noch verstärkt wird. Sender und Empfänger sind keine festgelegten Rollen mehr, Verbreitung und Rezeption von Inhalten sind ubiquitär und gehorchen einer anderen zeitlichen Ordnung. Globalität und lokale Anbindung schließen sich sowohl inhaltlich als auch organisatorisch nicht mehr aus. Wir sehen global agierende und organisierte Globalisierungsgegener, scheinbar „spassgetriebene“ ad-hoc Proteste, die an Performances erinnern und mobile one-man/woman Protesteinheiten zwischen Journalismus und Straßenkampf.
Der Vortrag wird der Frage nachgehen, welche die Voraussetzungen für die Entstehung der neuen Millieus sind und einige Ausprägungsformen exemplarisch skizzieren. Darüber hinaus soll diskutiert werden, ob die Transformation des Protests auch Auswirkungen auf die partizipatorische Praxis in größerem Rahmen hat, ob also beispielsweise eine Deliberation demokratischer Sturkturen zu beobachten ist oder eher vom politischen Mainstream abgekoppelte Millieus entstehen.
Carolin Welzel arbeitet seit Anfang 2002 bei der Bertelsmann Stiftung. Zunächst leitete sie das Projekt E-Government/E-Democracy, seit einem guten Jahr ist sie als Projektmanagerin Corporate Social Responsibility tätig. Zuvor war Carolin Welzel am Aufbau des Internetportals politik-digital.de beteiligt, für das sie 2002 mit dem Grimme Award Medienkompetenz ausgezeichnet wurde. Studiert hat sie Gesichte, Politikwissenschaft und Kunstgeschichte in Gießen und Paris.
Ihr wissenschaftliches Interesse gilt neben Fragen der Informationsgesellschaft und politischen Kommunikation auch der Rolle von Nicht-Staatlichen Organisationen und Unternehmen in unserem gesellschaftlichen Gefüge. Carolin Welzel hat neben diversen Aufsätzen zu diesen Themen in Sammelbänden und Zeitschriften auch den Band „Digitale Demokratie“ mit verfasst. Sie ist darüber hinaus Mitglied der Steuerungsgruppe eEurope 2005 der Europäischen Kommission.
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