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Nationale Zeitschrift, internationale Kommunikation, transnationale Öffentlichkeit: Vom Scheitern einer „communauté internationale“ zum Kursbuch
Bereits fünf Jahre vor dem Erscheinen des ersten Kursbuchheftes ist dessen Herausgeber Hans Magnus Enzensberger an der Planung einer Zeitschrift beteiligt, deren Scheitern, so die These, Bedingung für die Entstehung des Kursbuchs ist. Zu Beginn der sechziger Jahre kommt aus Frankreich der Vorschlag, eine internationale Zeitschrift zu gründen. Die Idee ist eine Reaktion u.a. auf den Algerienkrieg und wird inspiriert durch den Protest gegen ihn. Von Franzosen, Italienern und Deutschen gemeinsam herausgegeben, soll diese Zeitschrift den Versuch unternehmen, „de préparer une possibilité nouvelle, celle qui permettrait à l’écrivain de dire 'le monde'“. Die Revue Internationale erscheint nie. Die Motive jedoch, die der Zeitschrift zugrunde lagen, institutionalisieren sich in der deutschen Variante Kursbuch: Dazu gehören, wie es der französische Ziehvater der Revue, Maurice Blanchot, formulierte, die Vorstellung von der Notwendigkeit einer internationalen Kritik von Schriftstellern sowie Bemühungen um eine Kritik der Kritik. Über das Kursbuch werden diese Aspekte weiter transportiert und gewinnen Relevanz für die Außerparlamentarische Opposition in der Bundesrepublik und die weltweiten Protestbewegungen am Ende der sechziger Jahre.
Der Vortrag wird, erstens, die Idee der Revue Internationale sowie die Gründe ihres Scheiterns rekonstruieren. Beachtung finden, zweitens, weitere Projekte, die, mit der Stoßrichtung der Notwendigkeit internationaler Kritik, lanciert aber nicht realisiert wurden (internationale Manifeste, Petitionen, Kongresse). Schließlich und vor allem geht es, drittens, darum, aufzuzeigen, daß Konzeption und Realisierung des Kursbuchs die nationale Umsetzung dessen ist, was zu Beginn der sechziger Jahre im internationalen Kontext scheiterte: der Versuch, eine international artikulierte Kritik an internationalen Problemen zu etablieren, mithin: der Versuch, eine transnationale politisch-literarische Öffentlichkeit zu schaffen. Mittels spezifischer kommunikativer Strategien, konstituiert auf der Basis internationaler Kooperationen, leistete das Kursbuch einen Beitrag zu einer internationalen Vernetzung intellektueller und literarischer Stellungnahmen einerseits sowie studentischer Aktionen und Protestformen andererseits.
Henning Marmulla, geb. 25. November 1976, Studium der Geschichte und Germanistik an der Universität Bielefeld. Abschluß mit einer Staatsexamensarbeit in Geschichte über „Hans Magnus Enzensberger und das Projekt Kursbuch 1965-1970“. Zur Zeit: Promotion im Bielefelder SFB 584 „Das Politische als Kommunikationsraum in der Geschichte“ mit dem Projekt „Hans Magnus Enzensberger und das Projekt einer transnationalen politisch-literarischen Öffentlichkeit“.
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