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1968 als cultural performance
Die Protestbewegung der 1960er Jahre ist geprägt von der Entdeckung des Performativen als Handlungskategorie. Weil der Anspruch ihrer Protagonisten auf eine Kulturrevolution nach chinesischem Vorbild, auf eine umfassende Umgestaltung aller Werte- und Zeichensysteme nicht eingelöst werden konnte, entwickelte sich eine Praxis der Subversion kultureller Codes. Diese Subversion zielte auf lokale Agitation und punktuelle Störungen des Alltags, auf eine Umfunktionierung öffentlicher Veranstaltungen, die Lächerlichmachung gesellschaftlicher Institutionen und die Demaskierung des als pseudodemokratisch empfundenen Establishments. In direkten Aktionen sollten die Protestierer den repressiven Charakter von Staat und Gesellschaft erfahren und so eine Bewusstseinsveränderung herbeiführen.
In meinem Beitrag möchte ich der Frage nachgehen, mittels welcher semiotischer Techniken die Akteure der Studentenbewegung die Umstrukturierung der kulturellen Zeichensysteme erreichen wollten. Dies soll am Beispiel der verbalen Interaktion veranschaulicht werden. Kommunikationsereignisse sollen als kulturelle Performanzen gelesen werden, als Inszenierungen mit Transformationspotenzial für die Beteiligten. Dabei soll das heuristische Potenzial des Performanzkonzeptes als einer analytischen Kategorie kritisch diskutiert werden.
Joachim Scharloth studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie an den Universitäten Mainz und Heidelberg. Als Stipendiat des Graduiertenkollegs „Dynamik von Substandardvarietäten“ an der Universität Heidelberg wurde er 2002 mit einer Arbeit über die mentalitätsgeschichtlichen Bedingungen der Sprachnormendebatte des 18. Jahrhunderts promoviert. Seither ist er Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl von Prof. Angelika Linke an der Universität Zürich. Er arbeitet an einer Habilitation zu den Kommunikationsformen der Studentenbewegung der 1960er Jahre. Seine Forschungsschwerpunkte sind Soziopragmatische Sprachgeschichte, Linguistische Diskursanalyse und Sozio- linguistik.
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