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GELEBT, ERINNERT UND ERFORSCHT? –
1968 AUF DEM WEG VOM KOMMUNIKATIVEN ZUM KULTURELLEN GEDÄCHTNIS
1. Tagung des "Interdisziplinären Forschungskolloquiums Protestbewegungen"
9./10. Juli 2004, Universität Heidelberg / Heidelberg Center for American Studies ( Konferenzprogramm / Abstracts als PDF ) (Kalendarium der Heidelberger Studentenunruhen, 1967-73 - PDF)
Veranstalter: Martin Klimke, Historisches Seminar, Universität Heidelberg Joachim Scharloth, Deutsches Seminar, Universität Zürich
Die deutsche Studentenbewegung wird nicht mehr allein in Erinnerungsliteratur und Feuilletons aufgearbeitet, sondern ist im vergangenen Jahrzehnt auch zum Gegenstand der historischen Wissenschaften geworden. Dies zeigt sich an der gewachsenen Zahl von Neuerscheinungen und Tagungen zum Thema. Dabei ist bemerkenswert, dass die Geschichtsschreibung von ehemaligen Aktivisten und Betroffenen immer mehr auf Wissenschaftler übergeht, die keine Zeitzeugen waren. Von diesem Generationenwechsel ist ein neuer Blick auf die Studentenbewegung zu erwarten. So arbeiten gegenwärtig zahlreiche Nachwuchswissenschaftler aus Geschichtswissenschaft, Politologie, Soziologie, Literaturwissenschaft und Linguistik an Forschungsprojekten, die bislang vernachlässigte Aspekte der 1960er Jahre in den Blick nehmen. Das "Interdisziplinäre Forschungskolloquium Protestbewegungen" möchte daher ein Forum für Nachwuchswissenschaftler und diese neuen Zugänge zur Historisierung und wissenschaftlichen Behandlung der Studentenbewegung bereitstellen.
Zu diesem Zweck soll auf regelmäßigen Arbeitstagungen der Austausch über Projekte und die Diskussion über Gegenstände und Methoden gefördert werden. Ziel der Tagungen ist es, Nachwuchswissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen für die vielfältigen Möglichkeiten der Perspektivierung des Forschungsgegenstandes zu sensibilisieren. Eine erste Tagung soll vom 9./10. Juli 2004 an der Universität Heidelberg unter dem Thema „Gelebt, erinnert und erforscht? – 1968 auf dem Weg vom kommunikativen zum kulturellen Gedächtnis“ stattfinden, gefolgt von einer Anschlusstagung an der Universität Zürich im Frühjahr 2005. Darüber hinaus ist geplant, bei weiterem Interesse am wissenschaftlichen Austausch das „Interdisziplinäre Forschungskolloquiums Protestbewegungen“ zu einem dauerhaften Forum für Nachwuchswissenschaftlerinnen und wissenschaftler zu etablieren.
Eine wichtige Arbeitsform im Rahmen der Tagungen ist die Präsentation und Diskussion der eigenen Forschungsvorhaben und -ergebnisse in einem interdisziplinären Gremium. Um den Workshopcharakter bzw. den gegenseitigen Austausch zu gewährleisten, soll, in bewusster Abgrenzung zur üblichen Verfahrensweise bei Tagungen, den Diskussionen mehr Zeit eingeräumt werden als den Vorträgen. Die Tagungen sollen aber nicht ausschließlich als Forum für Projektvorstellungen dienen. In ihrem Rahmen sollen jeweils kleinere Einheiten mit enger thematischer Bindung Platz finden. Für die erste Tagung sind u.a. folgende Sektionen geplant:
Archiv:
In diesem Bereich sollen Aufbau und Sammelschwerpunkte von Archiven beleuchtet werden. Ziel ist es, den Informationsaustausch über den Zugang zu Quellen zu befördern und ganz praktische Hinweise über die Arbeitsbedingungen vor Ort zu geben. Von besonderem Interesse ist die Geschichte einzelner Archive, die selbst Teil der Geschichte der Studentenbewegung ist.
Quellen: In der Sektion "Quellen" sollen unterschiedliche Dokumententypen auf ihr heuristisches Potenzial und auf die Probleme mit ihrem Umgang hin befragt werden.
Methodologie: Hier soll diskutiert werden, welche methodischen Zugänge für bestimmte Forschungsfragen in besonderem Maße geeignet sind. Zudem soll geprüft werden, welche neuen methodischen Zugänge der weiteren Erforschung der Studentenbewegung förderlich sein könnten.
Traditionen: In dieser Sektion soll es um die Auseinandersetzung mit bisherigen Forschungstraditionen gehen. Anhand der Diskussion eines Standardwerks zur Studentenbewegung soll die kritische Auseinandersetzung mit der bisherigen Forschung angeregt werden.
Disziplinen & Projektvorstellungen: Hier sollen Forschungsergebnisse und Wege der Forschung in den einzelnen Wissenschaften in Überblicksdarstellungen referiert werden. Dieser Bereich soll als einer der maßgeblichen Impulsgeber für den interdisziplinären Austausch innerhalb des Forschungskolloquiums fungieren.
Relevanz: Von besonderer Bedeutung ist eine Debatte über den gegenwärtigen gesellschaftlichen Rahmen der Erforschung der Studentenbewegung, ihrem Stellenwert in der allgemeinen öffentlichen Diskussion sowie ihre (Selbst-)verortung innerhalb vergangener und gegenwärtiger Protestbewegungen.
Folgende Teilnehmer haben zugesagt:
Mererid Davies, University College, London
Jan Eike Dunkhase, Freie Universität Berlin
Michael Frey, Universität Bochum
Philipp Gassert, Universität Heidelberg
Sara Hakemi, Universität Bochum
Karrin Hanshew, University of Chicago
Alexander Holmig, Humboldt Universität Berlin
Dorothee Liehr, Universität Zürich
Roman Luckscheiter, Universität Heidelberg
Wilfried Mausbach, Universität Heidelberg
Werner Moritz, Universitätsarchiv Heidelberg
Holger Nehring, University College, Oxford
Hans-Holger Paul, Archiv der sozialen Demokratie, Bonn
Corina Petrescu, University of Wisconsin, Madison
Nina Verheyen, Wissenschaftszentrum Berlin
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