Interdisziplinäres
Forschungskolloquium
Protestbewegungen

 

Frauen in Bewegung: Mit der Neuen Linken über die neuen Linken hinaus

Die neue Frauenbewegung, die sich in den westlichen Industrienationen Anfang der 1970er Jahre formierte, entwickelte ihr Selbstverständnis in Anlehnung an die 68er Bewegung. Inwiefern? Zugleich entstand die neue Frauenbewegung aber auch in Abgrenzung zur 68er Bewegung. Warum? Dies sind die Fragen, die im Zentrum des Beitrags stehen.

Der erste Teil befasst sich mit der Problematik der Geschlechterrollenverteilung in der neuen linken Bewegung. „Die Beziehungen der Menschen untereinander zu verändern“ (Kommune 2) war eines der Ziele der 68er Bewegung und insbesondere der Antiautoritären Bewegung. Inwieweit solche Gedanken eine Revolution der traditionellen Geschlechterrollen mit einschlossen, wird einleitend erörtert. Es folgt eine Rekonstruktion der Kritik linker „Genossinnen“ an der männerdominierten Praxis der Bewegung.

Im zweiten Teil wird gezeigt, aus welchen Paradigmen die neue Frauenbewegung bei der Entfaltung ihrer ideologischen Grundprämissen schöpfte, um eine eigene kognitive Orientierung auszuprägen, die sie von anderen sozialen Bewegungen, insbesondere der sozialistischen und der ersten feministischen Bewegung, unterscheidbar machte. Im dritten Teil wird nach den Folgen der „Revolte der Frauen“ für die 68er Bewegung und für die politische Kultur der 1970er Jahre gefragt. Als Nachfolge-Bewegung der 68er Bewegung hat die neue Frauenbewegung, so die These, die Forderung der Antiautoritären, „die Kluft zwischen dem Privatleben und dem politischen Engagement“ (Kommune 2) zu überwinden, zugespitzt und die Gestaltung der Geschlechterbeziehung zu einer politischen und gesellschaftlichen Aufgabe erklärt.



Kristina Schulze, Koordinatorin des Netzwerks « Les champs littéraires en Europe » im Rahmen der Koordinierten Aktion «ESSE – Pour un espace des sciences sociales européennes », 6. Europäisches Rahmenprogramm ; Maître-Assistentin am Département de Sociologie/Université de Genève ; Habilitationsstipendiatin des Schweizerischen Nationalfonds (November 2004 – 2007).

Studium der Geschichte, Germanistik und Romanistik an der Albert- Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau und Universität Bielefeld; 1997 Magister- abschluss an der Universität Bielefeld; 2001 Promotion im Fach Allgemeine Geschichte/Zeitgeschichte im Rahmen einer deutsch-französischen Doppelbetreuung /Cotutelle de these (Universität Bielefeld/Université Paris 7, Dénis Diderot); 2002-2004 Post-doc Projekt zur Sozioanalyse der deutschen Gesellschaft an der Universität Genf, Fachbereich Soziologie.

Forschungsschwerpunkte: Zeitgeschichte mit dem Schwerpunkt in den 1960er und 1970er Jahren, Vergleichende Geschichte, Geschichte und Soziologie der Geschlechterbeziehungen seit 1945, Geschichte und Soziologie sozialer Be- wegungen.

 

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